Von „Oh mein Gott!“ zu „Win-win“: 5 Tipps für einen erfolgreichen Aufenthalt

Paz Nachón, mehrfache Gastmutter aus Madrid, Bloggerin und Expertin für multilinguale Familien, sieht im Au-pairing großes Win-win-Potential. Hier berichtet sie über ihre Strategien, um das Beste aus dem Au-pair-Aufenthalt herauszuholen.

Win-win auf einer Tafel mit Kreide geschrieben
, in Gastfamilien

„Hallo, willkommen in unserer Familie! Nein, warte, setz dich noch nicht hin, lass mich erst das Sofa absaugen. In der Schule meiner Tochter sind Kopfläuse gemeldet worden und wir könnten alle welche haben“.

Nicht unbedingt ein Gespräch, von dem ich je gedacht hätte, dass ich es mit unserem neuen Au-pair – oder sonst jemandem! würde führen müssen. Aber es gibt für alles ein erstes Mal…

Mal ganz abgesehen von der Peinlichkeit (ja, wir wissen alle, dass Kopfläuse sauberes Haar lieben, aber Oh mein Gott, wir könnten alle Läuse haben!), erzähle ich das hier aus einem bestimmten Grund: Die Zusammenarbeit zwischen einem Au-pair und der Gastfamilie ist absolut einzigartig und mit keinem Job der Welt zu vergleichen.

Deshalb sollte man als Familie einige Dinge beachten, um diese Erfahrung für alle in eine echte Win-win-Situation zu verwandeln – abgesehen von den wichtigen Details wie Vertrag, Taschengeld, Arbeitszeiten, etc.

Hier sind meine Top 5 Tipps für Gastfamilien:

Tipp 1: Wählt das Au-pair so aus, dass es zu eurem Leben passt

Macht bitte nicht den Fehler zu glauben, dass man das richtige Au-pair ganz einfach findet, weil Verfügbarkeit und Ort zusammenpassen! Noch bevor ihr euch hinsetzt und potentielle Au-pairs interviewt, müsst ihr euch klar machen, was ihr braucht und was ihr euch wünscht! Seid dabei so präzise wie möglich und denkt dabei daran, wie eure Familie im täglichen Alltag funktioniert.

  • Kinder: um wie viele Kinder soll sich das Au-pair kümmern, zu welchen Aktivitäten muss es sie begleiten, wie kommen sie dorthin, etc. 
  • Umgebung: wo lebt ihr und wie kann sich das Au-pair fortbewegen (Auto, zu Fuß, öffentliche Verkehrsmittel, etc.)
  • Sprachen: welche Sprachen sollte das Au-pair in welchem Umfang beherrschen
  • Mahlzeiten: traditionelles, gemeinsames und selbstgekochtes Abendessen jeden Tag oder gibt es auch mal "Essen to go"
  • Regeln: klar definiert und straff organisiert oder eher entspannt
  • Sauberkeit & Ordnung: wie im Möbelhaus oder eher leichter Hang zum Chaos

Es hilft, wenn man sich klar macht, was man unbedingt haben will und was ein nettes Extra wäre. Das solltet ihr dann auch in den Gesprächen mit potentiellen Au-pairs deutlich machen, so dass diese wissen, was sie erwartet – die gleiche Offenheit solltet ihr auch von den Au-pairs einfordern. 

Egal, ob ihr euer Au-pair selbst sucht oder über eine Agentur: Wichtig ist, dass ihr genügend Informationen habt, um eine überlegte Entscheidung treffen zu können. Fragt so viel wie möglich, nutzt alle Möglichkeiten der online Kommunikation und lasst euch nicht auf etwas ein, das sich nicht gut anfühlt. Ich habe schon einige vielversprechende Au-pair Beziehungen gesehen, die nach der Ankunft in die Hose gegangen sind, aber ich habe noch keine gesehen, die schlecht angefangen und gut geendet hätte!

#2: Versetzt euch in das Au-pair hinein

Wenn es soweit ist und das Au-pair bei euch lebt, versetzt euch immer mal wieder in seine Situation, um zu verstehen, was das Au-pair sich von der Beziehung erhofft. Dabei helfen Fragen wie diese:

  • Warum will euer Au-pair ein Au-pair sein?
  • Welche Art von Beziehung zu euch strebt es wohl an?
  • Ist das seine / ihre erste längere Zeit von zu Hause weg?
  • Könnte Heimweh eine Rolle spielen? Braucht das Au-pair mehr Aufmerksamkeit oder fühlt es sich dann gebremst??
  • Behandelt ihr sie / ihn wie ein vollwertiges Familienmitglied? Weiß das Au-pair, dass seine Meinung zählt?

#3: Setzt Prioritäten

Man kann weder im Leben noch beim Au-pairing alles haben, deshalb sind Prioritäten so wichtig.

Ich könnte nach einem Au-pair suchen, das sich einbringt, eine emotionale Beziehung zu meinen Kindern aufbaut und für sie da ist, wenn sie aus der Schule kommen (Aufgabe Nr. 1), und das gleichzeitig die Spülmaschine genauso einräumt, wie ich mir das vorstelle (Aufgabe Nr. 2). Zwei voneinander unabhängige Aufgaben und natürlich kann man versuchen, beide zu bekommen.

Aber es ist schlauer, zu definieren, was für meine Familie wichtiger ist. Und klar, wer hätte die Spülmaschine nicht gerne perfekt eingeräumt?

#4: Seid konkret in euren Erwartungen

Man sollte nichts als bekannt oder gegeben voraussetzen. Deshalb solltet ihr so präzise wie möglich sein, wenn es um eure Erwartungen an das Au-pair geht – speziell bei wichtigen Themen wie Kindererziehung, Familienregeln, Umgang mit Konflikten, etc.

Bei vielen von diesen Dingen ist euer Au-pair auf eure Anleitung angewiesen, denn es ist „nur“ ein Familienmitglied auf Zeit, auch wenn die Beziehung zu euren Kindern durchaus länger halten kann. Und deshalb ist es eure Aufgabe, zu vermitteln, warum manche Regeln existieren, vor allem, wenn euer Au-pair diese von zu Hause anders oder gar nicht kennt.

Das gilt allerdings für beide Seite. Eines unserer Au-pairs kam als Wechsel-Au-pair aus einer Gastfamilie zu uns, wo die Eltern permanent zu spät kamen, Das ging so weit, dass sie keine Pläne mehr machen konnte, weil sie nie wusste, ob sie diese nicht in letzter Minute würde ändern oder absagen müssen. Dieser Stress des Nicht-Wissens hat eine ansonsten gut funktionierende Beziehung zerstört. Sie hat dieses Verhalten so lange nicht angesprochen, bis sie sich irgendwann gar nicht mehr getraut hat und lieber die Familie gewechselt hat.

Um so etwas zu vermeiden, ermutigt euer Au-pair, seine eigenen Erwartungen und Bedürfnisse offen auszusprechen. Hört zu und seid so unvoreingenommen wie möglich!!

#5: Kümmert euch umeinander

Und das bedeutet nicht unbedingt, dass man sich gegenseitig von Kopfläusen befreien muss!
(Es gibt dafür ganz hervorragende Spezialisten, die euch alle in Null Komma Nichts „entlausen“.) Es bedeutet aber sehr wohl, dass man die Bedürfnisse des Anderen ernst nimmt und sie – wenn es die Situation erfordert – auch mal vor die eigenen stellt.

Wenn zum Beispiel die Familie eures Au-pairs zu Besuch kommt, gebt ihr frei, damit sie Zeit hat, ihrer Familie alles zu zeigen. Und wenn ihr seht, dass sie überfordert ist, bietet eure Hilfe an.

Unterschiedliche Kulturen erleben Dinge auf unterschiedliche Art und Weise und bringen auch Emotionen unterschiedlich zum Ausdruck. Aber so gut wie niemand ist immun gegen ein Lächeln oder eine helfende Hand.

Paz Nachón - Au Pair 4.0

Paz Nachón - Au Pair 4.0

Aufgewachsen in einer bi-lingualen und jetzt Teil einer tri-lingualen Familie, bloggt Paz Nachón darüber, wie man die passende Umgebung schafft, in der sich auch eine Zweit- und Drittsprache optimal entwickeln. Sie ist eine überzeugte Anhängerin der konkreten und immateriellen Vorteile, die ein Au-pair in eine Familie einbringen kann. In ihrem Blog Au Pair 4.0 schreibt sie über ihre Erfahrungen als Gastmutter und Strategien, Au-pairing zu einer Win-win-Situation zu machen.

Aupair4pt0 bei Twitter

×

Auf AuPairWorld einloggen

Noch nicht registriert?
Die Registrierung ist einfach und kostenfrei

Als Au-pair registrieren
Als Gastfamilie registrieren
Schon registriert?
Hier geht's zum Login