Mein Au-pair Aufenthalt in der Zeit des Brexits

Leonie schreibt über ihr Au-pair-Jahr in England. Trotz des anhaltenden Brexits und einem zwischenzeitlichen Familienwechsel genießt Sie ihren Aufenthalt in vollen Zügen.

Zwei Au-pair Freunde schauen auf einen See

Hi, ich heiße Leonie, bin 19 Jahre alt, komme aus Deutschland und bin im Moment (Oktober 2019) für 9 Monate als Au-Pair in England. Viele Informationen auf einmal oder? Fangen wir mal mit dem letzten Punkt an: England? Warum England? Ist das nicht eher schlecht im Moment mit dem Brexit und so? Und was will ich überhaupt in England?

Einfach gesagt habe ich England schon immer gemocht! Ich mag die Sprache (also eigentlich den typisch britischen Akzent), die Tatsache dass man hier überall die Geschichte des Landes wiederfindet, und die Menschen. Außerdem habe ich mich bei meinem ersten Besuch in London verliebt (hierbei sei jedoch erwähnt, dass London nicht gleich England ist!). Das waren also meine Gründe nach London zu kommen.

Aber was ist mit dem Brexit?

Immer wenn ich nach der Wahl meines Zieles gefragt wurde, kam unweigerlich das Thema des Brexits mit auf. Da ich aber meine Wahl niemals angezweifelt habe, tat ich es meist mit einem Schulterzucken ab. Meiner Meinung nach ist das auch das einzig Vernünftige, was ich hätte tun können.  

Die Brexit-Verhandlungen laufen nun schon ewig (und wer weiß wie lange noch!), die Briten sind selbst genervt und ich hatte weder Zeit noch Lust zu einem späteren Zeitpunkt nach London zu kommen. Um extra gut vorbereitet zu sein, habe ich einen Reisepass beantragt. Vorher hatte ich nur meinen deutschen Personalausweis, aber den werde ich wahrscheinlich auch nicht benötigen.

Selbst wenn England diesen Monat noch aus der EU austritt, stehen die Grenzen für uns Au-Pairs (wie für alle EU-Bürger) noch bis zum 31.12.2020 ohne Visa offen. Das besagt das ausgehandelte „Policy Paper“ (mehr dazu in diesem Blog Artikel). Also kein Grund zur Panik! Was danach passiert, werden wir wohl noch sehen…

In England direkt bekomme ich bis jetzt nichts vom Brexit mit, außer den ständigen Diskussionen im Radio und im Fernsehen und gelegentlichen Demos auf den Straßen. Keine Lebensmittelknappheit in Supermärkten oder ähnliches!

Ich hatte ein ganz anderes Problem, als ich hier ankam…meine Gastfamilie! 

Die Geschichte, wie ich meine Gastfamilie gesucht habe

Kennengelernt habe ich meine Gastfamilie über Aupair World. Ich hatte sogar die Gelegenheit sie letzten Sommer persönlich einen Tag lang in London zu treffen. Als der Tag vorbei war, war ich mir zu 100% sicher die perfekte Familie gefunden zu haben!

Leider merkte ich aber nach einer Woche bei ihnen, dass dem nicht so war. Ich hatte nicht das Gefühl richtig angekommen zu sein, fühlte mich nicht wohl mit meinen Aufgaben und konnte keine richtige zwischenmenschliche Beziehung zu ihnen aufbauen. Die Familie war sehr nett, die Lage war toll und das Taschengeld passte auch, aber ich fühlte mich schlicht und ergreifend unwohl. Nach vielen verheulten Telefonaten mit meinen Eltern sprach ich schließlich schweren Herzens meine Probleme an. Zeitgleich begann ich in meiner Gegend nach einer neuen Familie zu schauen. Ursprünglich wollte ich nur schauen, ob ich überhaupt andere Optionen hatte. 

Es wurde kompliziert (aber ich habe es bewältigt)

Leider fasste die Familie es nicht gut auf, dass ich mich nicht wohl fühlte und schmiss mich regelrecht aus dem Haus! Ich sollte innerhalb von 4 Tagen gehen, egal wohin. Nun lag es also an mir so schnell wie möglich eine neue Familie zu finden und tatsächlich hatte ich Glück! Ein Mädchen aus Frankreich suchte für ihre Gastfamilie ein neues Au-Pair, da sie in wenigen Wochen wieder nach Hause fahren würde. Ich schrieb sie an und traf mich zwei Tage später mit meiner neuen Gastmutter. In meiner neuen Familie fühlte ich mich direkt wohl und das hat sich bis heute auch nicht geändert. Manchmal schenkt einem das Schicksal die besten Chancen und Erlebnisse!

Die richtige Familie macht einen großen Unterschied

In meiner Erfahrung steht und fällt also alles mit der richtigen Familie. Ich habe jetzt fast die gleichen Aufgaben wie in meiner ersten Familie und trotzdem fühle ich mich damit um das 10-fache wohler! Außerdem ist es wichtig deine eigenen Probleme (wenn es denn welche gibt) für dich selbst wahrzunehmen und sie deiner Familie mitzuteilen. Sie sollten Verständnis dafür haben und gemeinsam solltet ihr versuchen die Probleme zu lösen. Andernfalls trau dich den Schritt zu gehen und wechsel die Familie! Ich weiß, dass es nicht leicht ist, auch mir fiel es schwer. Aber du wirst mit diesen Menschen einige Zeit zusammenleben und du solltest diese Zeit genießen, denn du bist mehr oder weniger zu deinem Vergnügen dort! Das Au-Pair-Jahr sollte dir Freude bereiten und dir die Möglichkeit geben, eine fremde Kultur kennenzulernen.  Auf keinen Fall solltest du dich unwohl fühlen! 

Ein bisschen Heimweh gehört natürlich immer dazu, aber das lässt sich leicht aushalten, wenn du mit deinen neuen Au-Pair-Freunden darüber sprichst! Mit Leuten zu sprechen, die gerade genau das Gleiche wie ich erleben, hat mir in vielen Situationen enorm geholfen! Hier habe ich Facebook zu danken, denn dort habe ich die Meisten von ihnen kennengelernt. Es ist sonderbar, wie schnell Menschen, die ich noch nie vorher gesehen hatte, in der Fremde zu wirklich guten Freunden und Vertrauten geworden sind. 

Natürlich vermisse ich meine Freunde von Zuhause sehr. Wenn ich aber nach neun Monaten zurückkomme, werde ich ihnen viel berichten können. Von einem Zuhause weit weg und Fremden, die zur Familie wurden…

Mehr Informationen in meinem Blog

Wenn du mehr über mich und mein Au-Pair-Jahr erfahren möchtest oder ein paar Tipps für dein eigenes Abenteuer brauchst, schau doch mal bei meinem Blog vorbei! Ich würde mich freuen dich in meiner kleinen Blog-Familie willkommen zu heißen! 

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