Becoming an au pair in France
Miriam: Being an au pair helps you take your decision!

Miriam aus Österreich wurde in ihrer Gastfamilie in Frankreich als echte Tochter auf Zeit aufgenommen. Ihr Au Pair Aufenthalt brachte ihr auch beruflich Klarheit: Sie will jetzt Übersetzerin werden.



Miriam (second from left) with three of her friends at the Château de Versailles.Im Mai 2010 habe ich mich sehr spontan zu einem Auslandsjahr entschlossen. Ich gab bei Google aus Interesse „Au Pair“, fand AuPairWorld und stöberte unter den Familien. Nach einem Gespräch mit meiner Mutter meldete ich mich kurzerhand an und bekam gleich am nächsten Tag mehrere Anfragen aus Frankreich, England und Irland und sogar einen Anruf. Das hat mich sehr überrascht, da ich noch nicht mal ein richtiges Profil hatte, nur ein Foto! Auch wenn ich erst nach 2 Tagen zusagte, wusste ich von Anfang an, welche Familie ich wollte.

Ich fühle mich von Anfang an zuhause

Während der Zeit vor dem Abschied gab es Telefonate und Mailaustausch. Wir sendeten Fotos und kleine Filme und lernten uns ein bisschen besser kennen. Ende August habe ich mich dann in einen Bus gesetzt. Nach einer 15-stündigen Fahrt bin ich in Paris angekommen. Ich war total müde und hatte Angst, dass ich meine Gastfamilie nicht finden würde, dass mein Französisch nicht reichen würde oder dass es einfach nicht klappte zwischen uns. Aber schon nach fünf Minuten stand ich etwas verlegen vor ihnen und ab ging es in mein neues Zuhause in Versailles. Ich wurde von der Familie sehr herzlich aufgenommen, die Kinder hatten überhaupt keine Scheu und so fühlte mich sofort zuhause. Mein Französisch reichte gut aus, das Wörterbuch brauchte ich nur selten, oft konnte ich mich mit Umschreibungen ganz gut verständlich machen.

Die Jüngste ist wie eine kleine Schwester

Auch wenn meine Gastmutter grundsätzlich nicht arbeitete, war ich es, die sich hauptsächlich um die Jüngste kümmerte. Chloé ging mit ihren damals zwei Jahren ja noch nicht zur Schule. Ich spielte viel mit ihr, machte kleine Radtouren, den täglichen Spaziergang zur „Boulangerie“ nicht zu vergessen... Außerdem war es wunderschön für mich, mitzuerleben, wie sie sich entwickelte - sie wuchs, bekam endlich längere Haare und hatte schon von Beginn an ein erstaunliches Vokabular, das sich von Monat zu Monat vergrößerte! Ich habe eine sehr besondere Bindung zu ihr, sie ist einerseits eine kleine Schwester für mich, andererseits auch ein bisschen mein Kind... Es war aber nicht immer einfach mit ihr, da sie einen sehr starken Charakter hat.

Ich lese Margaux jeden Abend was vor

Margaux ist 8 Jahre alt und ist genauso stur wie ich, kleine Zusammenstöße waren also vorprogrammiert. Aber grundsätzlich kamen wir sehr gut miteinander klar. Im Laufe des Jahres war ich es, die mit ihr ihre Hausaufgaben machte und zu meinem Stolz brachte sie immer hervorragende Diktatnoten nach Hause. Einzig das 1x1 war nicht so einfach ;) Fast das ganze Jahr über pflegten wir auch ein Ritual: jeden Abend las ich ihr "eine" Geschichte vor, im Endeffekt mehrere. Zu Beginn waren es kurze, leicht verständliche Geschichten, im Laufe der Zeit wurden daraus aber anspruchsvollere Lektüren. Das kam natürlich auch meinem Vokabular zu Gute.

Mit 10 Jahren war ich genauso wie Julie...

Julie ist mit 10 Jahren die älteste der Mädchen. Sie ist ruhig und verträumt und lebt ein bisschen in ihrer Bücherwelt. In ihr erkannte ich mich als 10-Jährige wieder. Leider war sie oft sehr traurig, weil sie von ihren angeblichen Freundinnen nur ausgenutzt wurde, dann kam sie zu mir für eine Umarmung.

...und Romain genauso wie mein Bruder

Romain ist mit seinen 12 Jahren das älteste der Kinder und ich hatte es nie leicht mit ihm. In ihm fand ich meine Brüder in Extrema vor, was das nicht unbedingt vereinfachte. Trotzdem liegt mir sehr viel an ihm, und genauso wie die anderen fehlt er mir jetzt sehr! Grundsätzlich hatte ich also eine sehr gute Beziehung zu den Kindern, auch wenn sie mich, wenn sie sauer waren, gerne mal beschimpften. Aber so sind Kinder nun mal und ich weiß, dass sie es nicht so meinen.

Meine Gastfamilie lobt mich

Neben dem morgentlichen Frühstück machen, dem Ankleiden der Kinder, Betten machen,... war ich sonst grundsätzlich vom Haushalt befreit. Aber da ich eine zu gute Seele bin und perfekt sein wollte, übernahm ich bald das Bügeln der gesamten Familienwäsche und das Waschen. Das mit den Kindern genutzte Bad und WC putzte ich selbst und auch ans Fensterputzen machte ich mich manchmal. Bald wurde ich als Perle bezeichnet und vor allen Freunden und Verwandten hochgelobt, was mir aber etwas peinlich war. Klar, daheim in Österreich war es nicht so lustig, aber hier machte es mir einfach Spaß, ein bisschen den Haushalt zu schupfen. Und Chaos im Kleiderkasten halte ich ja gar nicht aus.

Ich mache meine eigenen Erziehungsregeln

Was das Bügeln betraf, war das auch eine Abschaltmöglichkeit und etwas Abstand von den Kindern. Das Aufräumen der Kinderzimmer ging mir aber schnell auf die Nerven, denn die Kinder nutzen gerne Vorwände wie "Ich muss mal schnell aufs Klo", "Ich frag nur Mama schnell was.", um sich davor zu drücken, während ich alles aufräumte. Glücklicherweise war die Mutter sehr offen für Neues und vor allem für Erziehungsvorschläge... So führte ich schnell ein paar neue Regeln ein, was den Kindern natürlich nicht sehr gefiel. Kochen musste ich nicht, aber mit Freude lernten sie österreichische Spezialitäten kennen, die manchmal geduldige Zutatensuche erforderten...

Meine Gastmutter ist eine Freundin geworden

Mit meiner Gastmutter verstand ich mich sehr gut, ich konnte oft mit ihre über Gott und die Welt reden und sie wurde eine richtige Freundin für mich. Manchmal vertraute sie mir richtig wichtige Dinge an. Auch mit meinem Gastvater verstand ich mich sehr gut. Zu Beginn hat mir Cécile alles genauestens erklärt, mich zu Einkäufen mitgenommen und mir Versailles gezeigt. Doch sie hat schnell Vertrauen in meine Selbstständigkeit gezeigt und bald hat sie mich auch mit den Kindern alleine gelassen. Wenn mal ein kleines oder größeres Unglück passiert ist, war sie nie böse. Auch auf die Nachbarn konnte ich immer zählen. Zu meiner großen Freude durfte ich Freunde bei mir übernachten lassen, was ich allerdings auch nicht zu oft nutzte.

Zu Weihnachten singe ich im Kinderchor mit

Weihnachten habe ich auch bei ihnen verbracht - es war eine ganz neue, aber schöne Erfahrung für mich. Ich durfte zu meiner großen Freude im Kinderchor ;) mitsingen und erhielt das schöne Geschenk eines Solos der ersten Strophe von der deutschen Version von "Stille Nacht"! Cécile war da so stolz auf mich, dass man meinen hätte können, ich sei ihre eigene Tochter.

Die Ferien habe ich immer mit der Familie verbracht

Auch hatte ich die Möglichkeit, die Bretagne kennenzulernen. Im Oktober waren wir 10 Tage in ihrem Haus in Carnac und es war unvergesslich für mich. In den Osterferien war ich dann für fast zwei Wochen mit den Kindern bei den Großeltern in der Nordbretagne. Wir hatten wunderbares Wetter. Gemeinsam mit den Kindern unternahmen wir Spaziergänge, gingen jeden Tag an den Strand, bauten Sandburgen und suchten Muscheln. Sogar ins Meer haben wir uns gewagt. In den Semesterferien blieb ich zu Hause, während die Familie auf Skiurlaub war. Einzig die Kleine war bei den Großeltern und für zwei Tage bei mir. Ich war sehr froh über diesen Vertrauensbeweis und alles hat reibungslos geklappt.

Alle haben mich sehr freundlich aufgenommen

Picknicks mit befreundeten Familien, Hochzeiten, gemeinsame Familienfestessen, die Erstkommunion von Margaux, die Theatervorstellung von Romain, die Tanzaufführung von Julie und diverse andere Schulveranstaltungen, machten aus dieser Familie noch schneller eine zweite Familie für mich.. Auch bei beiden Großeltern wurde ich sehr freundlich aufgenommen.

Schule und Freizeit

Zweimal in der Woche war ich für zwei Stunden in der Schule. Wir waren eine kleine Gruppe und lernten dafür umso mehr. Ich machte sehr schnell große Fortschritte und konnte im April ein Zertifikat der Sorbonne mit sehr zufriedenstellendem Resultat ablegen. Im Kurs fand ich auch drei sehr gute Freundinnen. In der Freizeit fuhren wir meist nach Paris. In den kalten Monaten erkundeten wir viele Museen, die zu unserem Glück zum Großteil für EU-Einwohner unter 26 Jahren gratis sind. In der wärmeren Zeit zog es uns eher in Parks zum Picknicken, dafür blieben wir aber in Versailles. Auch ins Kino gingen wir immer wieder.

Dank eines Forums habe ich neue Freunde gefunden

Da Julie und Romain wie ich bei den Pfadfindern sind, konnte ich bald als Leiterin aushelfen. Dort habe ich in meinen Leiterkolleginnen zwei sehr gute Freundinnen gefunden. Außerdem bin ich durch eine dieser Freundinnen in einen Chor gekommen, wo ich weitere Freunde fand. Aufgrund meiner französischen Lieblingsserie fand ich mich auf einem Forum dieser Serie wieder und bin in reger Korrespondenz mit einigen Französinnen. Ich schreibe auch sogenannte FanFictions - auf französisch versteht sich, und sogar an Gedichte habe ich mich gewagt. Laut meinen Lesern schreibe ich besser als manche Muttersprachler. Wir haben uns dann ein paar Mal getroffen, und sogar bei der neuen Staffel als Statisten mitgewirkt, mit den Darstellern geplaudert..!

Außergewöhnliches

Auch wenn man mir oft sagte, dass die Familie meine Freundlichkeit mit übermäßigem Babysittern ausnutze (stimmt eh ein bisschen), erhielt ich doch wunderbare Wertschätzungsbeweise von ihnen! Nicht nur die immer wieder so nebenbei angebotenen Geschenke sind damit gemeint. Auch hatten sie meine Familie eingeladen, einen unvergesslichen Urlaub in Versailles und Carnac in ihrem Haus zu verbringen! Dadurch viel mir auch der Abschied leichter – es war ein fließender Übergang zwischen den beiden Familien.

Meine Gasteltern haben mich sehr verwöhnt

Zudem konnte ich immer auf sie zählen. Mehrmals haben sie mir klargemacht, dass ich mehr als nur ein Au Pair Mädchen bin, nämlich eine wahre Schwester. Und weil ich so außerordentlich sei, haben sie auch beschlossen, kein anderes Au Pair Mädchen mehr zu nehmen. Das freut mich in dem Sinne, weil ich dann weiß, dass Chloé mich sicher nicht vergisst! Allerdings finde ich es trotzdem unvernünftig, da meine Gastmutter nun wieder arbeitet und niemanden hat, der die Kinder von der Schule holt!

Ich habe nur schöne Erinnerungen im Kopf

Ich kann ein Jahr als Au Pair nur weiterempfehlen und werde es vielleicht wieder einmal machen. Die Erfahrungen, die ich in diesem Jahr gemacht habe, möchte ich auf keinen Fall missen und ich werde all das nie vergessen. Klar gab es nicht nur tolle Momente - wenn die Kinder mal wieder furchtbar anstrengend waren und einfach alles machten, außer dem, was ich von ihnen verlangte. Oder wenn die Eltern doch ein bisschen zu oft ausgingen und ich drei Wochen lang kein wirkliches Wochenende hatte. Aber ich hab es nie bereut und ich vermisse diese Familie sehr stark!
 

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